MAG. PHARM. URSULA GERHOLD DAS BESONDERE AN GLYCERIN

 

MAG. PHARM. URSULA GERHOLD DAS BESONDERE AN GLYCERIN

Glycerin = Glycerol: eine interessante Substanz

Warum schmeckt Glycerin süß und ist doch kein Zucker? Warum ist es chemisch ein Alkohol, aber doch kein Alkohol?

Wenn wir im Alltag von Alkohol sprechen, dann meinen wir eine bestimmte alkoholische Verbindung, nämlich Äthyl-Alkohol oder Äthanol.

Akohole sind chemisch auf eine spezielle Art und Weise aufgebaut und es gibt viele davon. Glycerin/Glycerol weist dasselbe chemische Muster auf und gehört deshalb ebenfalls zu den Alkoholen. Die Ausgangssubstanz für Glycerol ist Traubenzucker. Die chemische Bezeichnung für Traubenzucker ist Glucose, von diesem Wort kann man das Wort Glycerol ableiten.

Durch die Umwandlung von Glucose zu Glycerol entsteht also eine neue Substanz, die in unserem Körper nicht mehr als Traubenzucker (Glucose) erkannt werden kann. Das ist wie bei einem Schlüssel, bei dem Du den Schlüsselbart veränderst – der wird nicht mehr dasselbe Schloss sperren. Deshalb schmeckt Glycerin zwar süß, kann aber im Stoffwechsel nicht wie Glucose verarbeitet werden und ist daher auch für Diabetiker kein Problem.

Außerdem verwenden wir Glycerin für Pflanzenauszüge in kleinen Mengen – sozusagen als Transporteur der Pflanzenbotschaften – und nicht als Lebensmittel! Dafür wäre es weder geeignet noch zugelassen!

Und alle erwünschten und unerwünschten Wirkungen von Alkohol, die uns im Alltag bekannt sind, beziehen sich auf Äthylalkohol/Äthanol und nur auf diesen. Daher ist Glycerin auch für Menschen, die Alkohol aus unterschiedlichen Gründen meiden müssen als Grundlage für Pflanzenauszüge geeignet.

Wie entsteht nun diese spannende Substanz?

Bei der Photosynthese in den Chloroplasten der Pflanzenzellen erzeugt die Pflanze mit Hilfe der Photosynthese-Bakterien aus Kohlenstoff, Wasser und der Energie aus dem Sonnenlicht Glucose (Traubenzucker). Damit kann sie die Sonnenlicht-Energie in einer materiellen Form speichern. Dieser Baustein Traubenzucker steht der Pflanze als Energiespeicher zur Verfügung und gleichzeitig als Ausgangsstoff für viele Pflanzenwirkstoffe. Glycerol ist eine der Verbindungen, die aus dem Traubenzucker gebildet werden. Deshalb nennt man ihn Zucker-Alkohol, eigentlich müsste er Traubenzucker-Alkohol heißen. Glycerin brauchen Pflanzen (und Schmetterlinge!) als Frostschutz im Winter. Und als Ausgangssubstanz für die pflanzeninterne Herstellung von Fetten und Ölen. Ist das nicht wunderbar?

Du siehst, das ganze Leben ist Chemie! Im alten Ägypten die höchste Kunst Al-Kimia, im Mittelalter die Profession der geheimnisvollen Alchemisten. Leider wird nur immer noch den meisten Menschen Chemie auf eine Art und Weise vermittelt, dass sie das Wunderbare nicht wahrnehmen können. Und außerdem haben wir Menschen (mit den besten Absichten!) die Naturchemie = Biochemie in die völlige Unnatürlichkeit weiterentwickelt. Und damit produzieren wir ständig unnatürliche Stoffe, die logischerweise große Schäden anrichten. Deshalb ist die Ablehnung oder zumindest kritische Betrachtung von „Chemie“ in unserer Ernährung, Körperpflege, Kleidung, Medizin usw. nicht nur logisch sondern auch wichtig. Mit Natur passen wir einfach besser zusammen.

Chemie ist die Lehre von den Stoffen, sie versucht, das Verhalten von Stoffen herauszufinden, zu beschreiben und nachzuahmen. An die Natur kommt aber nichts heran, sie kanns einfach besser – hat ja auch schon wesentlich mehr Übung!

Mag.Ursula Gerhold ist Pharmazeutin, Homöopathin und Kräuterexpertin. Seit 2004 ist sie auch selbstständig tätig und leitet die Lebenswerkstätten Stainz – ein Zentrum für ganzheitliches Leben. Sie unterrichtet an der GEA Akademie im Waldviertel und an der TEH Akademie.